Buchautor

Angehörige und Depression

Warum helfe ich? Wie helfe ich?
Was bewirkt meine Hilfe?
Und vor allem: Wie geht es mir dabei?

Einen Menschen zu begleiten, der an Depressionen oder einem Burnout leidet, ist kein Hundertmeterlauf. Es ist ein Marathon mit manchen Höhen und etlichen Tiefen. Das fordert von Angehörigen Kraft und Ausdauer. Und allen voran ein Selbstverständnis, wie sie mit der Not des geliebten Menschen umgehen wollen – und mit der eigenen.
Das Zusammenspiel von Achtsamkeit, Mitgefühl und Selbstfürsorge kann dabei eine wertvolle Hilfe sein. Wenn Angehörige den Kontakt zu sich selbst wahren, zu ihren Bedürfnissen, Empfindungen und Kraftquellen, werden sie die Grenzen ihrer Verantwortung besser spüren können. Und sie können sich daran orientieren und ihr Handeln ausrichten: im Tun, Nichttun und Akzeptieren.

Wie das gelingen kann, beschreibt der Autor Dirk Biermann in seinem Buch „Im Schatten der Depression – Was Angehörige durch schwere Zeiten tragen kann“. Erschienen ist es im Arbor Verlag, Freiburg.

Hier gibt es eine Leseprobe.

Zum Inhalt

Fehlendes Wissen über das Wesen der Depression gaukelt Angehörigen vor, sie könnten die Situation kontrollieren. Ein lieber Mensch, dem man sich sehr verbunden fühlt, leidet; das will man nicht und möchte es ändern. Das ist nachvollziehbar und zutiefst menschlich. Und gleichzeitig sehr kompliziert. Angehörige und Freunde können gewiss eine Zeit lang Stütze sein für einen anderen Menschen und in akuten Situationen Hindernisse aus dem Weg räumen, doch leider hat niemand die Macht, das Leiden eines anderen Menschen aufzulösen. Aus Unwissenheit können enge Bezugspersonen die Symptome der Depression sogar nähren, anstatt das Leid ihrer Lieben zu lindern. Einfach schon indem sie zu viel tun.

Mit seinem Buch veranschaulicht der Autor, was Mitgefühl von Mitleid unterscheidet, und warum dieser Unterschied so bedeutsam ist. Das Buch zeigt auf, wie Akzeptanz und Achtsamkeit wirken, was die Depression des Anderen im Angehörigen selbst auslösen kann und warum eine Ahnung von diesen inneren Vorgängen hilfreich sein kann, um mit der schwierigen Situation zurecht zu kommen. Und es erläutert, warum eine bewusste innere Haltung gegenüber Krankheit und Leid so wichtig ist, um dem Sog der depressiven Schwere allen Herausforderungen zum Trotz mit Zuversicht zu begegnen.

Geduld bewahren, Grenzen setzen, was für sich tun, entspannen: Es gibt zahlreiche Hinweise, wie Angehörige ihren Partnern helfen können, ohne sich selbst dabei zu erschöpfen. Doch laufen selbst die hilfreichsten Tipps Gefahr, an der gefühlten Wucht des Alltags zu scheitern, wenn die Depression allein als ein Zustand betrachtet wird, für den es eine umgehende Reparaturlösung zu geben haben soll. Depression braucht Mut, Zeit – und ein offenes Herz.