Warten aufs Christkind

Der Jahresausklang steht vor der Tür, und mancher wird hoffen, dass dieser so besinnlich wie möglich gelingt. Denn das Jahr 2017 hatte es in sich. Dabei begann alles so schön.

Köln im Januar. Die LivingKitchen läutet das Küchenjahr ein. Nachher gibt es viele positive Stimmen. Die Qualität der Besucher wird gelobt und deren Internationalität. Die Ausstellerliste liest sich wie ein Who-is-Who. Natürlich dominiert von Unternehmen aus Deutschland, alles andere wäre angesichts der dominierenden Marktbedeutung auch seltsam. Einige Italiener sorgen zumindest für eine Prise Dolce Vita, aber viel mehr müssten es auch nicht sein, wird hinter vorgehaltenen Ausstellerhänden getuschelt. Der von der Koelnmesse reflexhaft eingeforderte Faktor „mehr Internationalität“ solle sich doch bitte aus der Gästestatistik ableiten lassen und nicht aus der Ausstellerliste. Unter dem Strich scheinen sich aber viele einig. Für die AMK ist die ­LivingKitchen „ein voller Erfolg“, BVDM-Präsident Hans Strothoff sieht „die Erwartungen des Handels voll erfüllt“ und selbst Leicht Küchen, traditionell ein konstruktiv-kritischer Messekunde, schwärmt via Pressemitteilung von einem „perfekten Start ins Jahr“. Ähnlich wohlwollend bis geradezu enthusiastisch lesen sich die subjektiv gefärbten Eindrücke aus München, Gütersloh, Verl und Rödinghausen. Dass der BSH-Konzern nun Stand Mitte November die Teilnahme an der LivingKitchen 2019 komplett für alle Marken absagt, überrascht, und in der Kölner Messezentrale brennt der Baum schon weit vor dem 2. Weihnachtstag. Denn Bosch, Siemens, Neff, Gaggenau und Constructa sind – jeder für sich und im BSH-Verbund vereint erst recht – Meinungsmacher mit Tragkraft. Schien sich die Branche gerade mit einer international beachteten Küchenmesse im eigenen Wohnzimmer selbstbewusst arrangiert zu haben, droht die Stimmung auch schon wieder zu kippen. Immerhin: Bevor es um den Weihnachtsfrieden endgültig geschehen war, präsentierte die Koelnmesse einige Tage nach der BSH-Absage mit Küchenmöbelprimus Nobilia einen prominenten Befürworter mit gleichfalls magnetischer Wirkung. Wie sich das im Ergebnis auf die LivingKitchen 2019 auswirkt, bleibt offen. Doch es zeigt einmal mehr, dass unter den wohlfeilen Worten der PR-Verlautbarungen allzeit bereite Einzelinteressen schlummern. Also wie im richtigen Leben.

Die Pleite von Nieburg­ Küchen, die Insolvenzen von Zeyko und Allmilmö, der mehrheitliche Verkauf von SieMatic an einen chinesischen Investor – in den letzten Monaten dröhnten die  Paukenschläge im Wochentakt durch die Branche. Besonders die Turbulenzen rund um Alno überschatteten das Küchenjahr 2017. Der Küchenmöbelkonzern ist seit vielen Jahren chronisch klamm, doch an die Nachrichten dazu hatte man sich in der Branche so sehr gewöhnt, dass der Insolvenzantrag im Juli geradezu schockierte. Inzwischen steht fest, dass es bei Pino weitergeht und Wellmann den Geschäftsbetrieb eingestellt hat. Bei Alno prüfen Investoren aus Fernost die Bücher. Das ist Stand der Dinge zum Druckbeginn dieser Ausgabe. Begleitet von grundlegenden Fragen: Besteht nur Interesse an der Marke Alno? Sollen auch weiter Küchenmöbel produziert werden? Wenn ja, wo und für welchen Markt? Wie sich die Situation entwickelt, dokumentieren wir tagesaktuell auf kuechenplaner-magazin.de. Im Moment gleicht der Blick nach Pfullendorf dem „Warten aufs Christkind“. Dass dieses in der Küchenbranche immer häufiger aus China kommt, macht nachdenklich.

Parallel zu den hier dokumentierten Vorkommnissen und Entwicklungen fand Mitte November die 4. Medien-Informationstour der AMK statt mit Stationen bei den Verbandsmitgliedern Schmidt Küchen, Franke, V-Zug und Blum. Zwei Zitate stechen aus den eng beschriebenen Seiten des Reporterblocks hervor. Das Erste kommt von Franke-Marketingchef Renato di Rubbo und lautet: „Wenn wir nicht in die Marke investieren, werden wir austauschbar.“ Das Zweite stammt von Dieter Elmiger, Vertrieb und Marketingleiter Europa beim Gerätehersteller V-Zug: „Nur zusammen mit unseren Partnern können wir stärker werden, allein wird uns das nicht gelingen.“

Verlag und Redaktion wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, einen angenehmen Jahresausklang und einen unfallfreien Rutsch ins Jahr 2018. Persönlich freue ich mich auf viele weitere inspirierende Begegnungen. Haben Sie sich wohl!

Dirk Biermann

 

Dieser Text ist als Editorial in der Fachzeitschrift KÜCHENPLANER, Ausgabe 11/12 / 2017, erschienen.

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